IHR GEBÄUDE IST BEREITS AUTOMATISIERT – WARUM VERBRAUCHT ES TROTZDEM ZU VIEL ENERGIE?
Die Gebäudeleittechnik ist vorhanden. Verbräuche werden erfasst, Störungen erscheinen auf dem Bildschirm und für Heizung, Lüftung und Kühlung gibt es Zeitprogramme.
Trotzdem fällt die Energierechnung höher aus als erwartet.
Diese Situation findet man nicht nur in alten oder technisch vernachlässigten Immobilien. Sie tritt ebenso in Gebäuden auf, die modernisiert wurden und auf den ersten Blick gut ausgestattet sind. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, ob ein Gebäude automatisiert ist.
Wichtiger ist, was diese Automation im täglichen Betrieb tatsächlich bewirkt.
Denn zwischen einer vorhandenen Gebäudeautomation und einem energetisch optimierten Gebäude liegt häufig ein erheblicher Unterschied.
Vorhandene Technik ist noch kein effizienter Betrieb
Automatisierung wird im Alltag oft über ihre sichtbaren Bestandteile beurteilt: Sensoren, Regler, eine GLT, digitale Zähler und ein Dashboard. Sind diese Komponenten vorhanden, liegt die Annahme nahe, das Gebäude müsse technisch bereits effizient arbeiten.
In der Praxis kann jede einzelne Anlage nachvollziehbar funktionieren und das Gesamtsystem trotzdem unnötig viel Energie verbrauchen.
Die Heizungsanlage hält ihre Vorlauftemperatur. Die Lüftung läuft nach dem hinterlegten Zeitprogramm. Die Kälteanlage reagiert auf steigende Raumtemperaturen. Für sich betrachtet erscheint das zunächst plausibel.
Problematisch wird es, wenn diese Systeme unterschiedliche Annahmen treffen und nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind. Die Lüftung arbeitet beispielsweise länger, als es die tatsächliche Nutzung erfordert. Gleichzeitig bleibt die Heizfreigabe aktiv, während andere Gebäudebereiche bereits gekühlt werden. Die Einzelraumregelung versucht anschließend, die daraus entstehenden Abweichungen wieder auszugleichen.
Auf dem Bildschirm ist dabei nicht zwingend eine Störung zu sehen.
Technisch läuft alles. Nur eben nicht besonders sinnvoll.
Viele Automationssysteme verwalten den Betrieb, optimieren ihn aber nicht
Eine klassische Gebäudeleittechnik erfüllt wichtige Aufgaben. Sie stellt Anlagenzustände dar, sammelt Meldungen, speichert Trends und ermöglicht den Zugriff auf Zeitprogramme oder Sollwerte.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie den Betrieb gewerkeübergreifend optimiert.
In vielen Bestandsgebäuden ist die Automation über Jahre gewachsen. Eine Regelung stammt vom Heizungsbauer, eine andere vom Lüftungshersteller und die Raumautomation möglicherweise aus einem späteren Ausbau. Hinzu kommen neue Zähler, weitere Sensoren und individuelle Anpassungen einzelner Nutzungsbereiche.
Das Ergebnis ist nicht zwingend ein schlechtes System. Häufig sind es mehrere funktionierende Teilsysteme, zwischen denen die verbindende Logik fehlt.
Genau hier entsteht ein verbreitetes Missverständnis: Datenverfügbarkeit wird mit Betriebsqualität gleichgesetzt. Ein Gebäude kann tausende Datenpunkte liefern und trotzdem ineffizient arbeiten. Entscheidend ist nicht, wie viele Werte erfasst werden, sondern ob daraus sinnvolle Entscheidungen für den Betrieb entstehen.
Monitoring zeigt den Fehler. Koordination verhindert ihn.
Die Einstellungen stammen oft aus einer anderen Zeit
Gebäude verändern sich.
Mietflächen werden umgebaut, Arbeitszeiten verschieben sich, Räume erhalten neue Funktionen und die tatsächliche Belegung entspricht nicht mehr den Annahmen aus der Planung. Auch interne Wärmelasten und Komfortanforderungen bleiben nicht über Jahre gleich.
Die Regelparameter tun es allerdings häufig.
Ein Zeitprogramm, das vor fünf Jahren sinnvoll war, kann heute jeden Morgen zwei Stunden zu früh starten. Eine Heizkurve kann nach dem Austausch einzelner Komponenten zu hoch eingestellt sein. Lüftungsmengen orientieren sich möglicherweise weiterhin an einer Vollbelegung, die im hybriden Arbeitsalltag nur noch selten vorkommt.
Solche Abweichungen sind nicht spektakulär. Es gibt keinen kompletten Anlagenausfall und oft auch keine eindeutige Fehlermeldung.
Stattdessen summieren sich viele kleine Fehlbetriebe über Wochen und Monate. Gerade deshalb bleiben sie lange unbemerkt.
Auch gute Sensorik hilft nur mit plausiblen Daten
Nicht jeder Messwert ist automatisch zuverlässig.
Sensoren können ungünstig positioniert, falsch zugeordnet oder über längere Zeit nicht überprüft worden sein. Ein Temperatursensor in der Nähe einer Wärmequelle bildet den tatsächlichen Aufenthaltsbereich nur eingeschränkt ab. Ein Belegungssignal kann dauerhaft aktiv bleiben, obwohl der Raum leer ist. Auch im System angezeigte Ventilstellungen müssen nicht in jedem Fall dem realen Anlagenzustand entsprechen.
Wird auf dieser Grundlage automatisiert geregelt, reagiert das System konsequent – aber möglicherweise auf eine falsche Information.
Deshalb reicht es nicht, Datenpunkte nur anzubinden. Ihre Plausibilität, ihre zeitliche Entwicklung und ihre Abhängigkeiten untereinander müssen ebenfalls betrachtet werden. Erst dann lässt sich unterscheiden, ob eine Abweichung aus der Nutzung, der Regelung, der Messtechnik oder aus mehreren Faktoren gleichzeitig entsteht.
Wer prüft eigentlich, ob die Automation noch sinnvoll arbeitet?
Der Errichter hat die Anlage übergeben. Das Facility Management reagiert auf Störungen und Nutzerbeschwerden. Der Energieeinkauf sieht den Gesamtverbrauch. Die Eigentümerseite erhält monatliche oder jährliche Auswertungen.
Doch wer prüft regelmäßig, ob die Systeme noch zur tatsächlichen Gebäudenutzung passen?
In der Praxis ist diese Verantwortung nicht immer eindeutig geregelt. Veränderungen werden einzeln vorgenommen, aber selten mit Blick auf das Gesamtsystem bewertet. Wird an einer Stelle ein Sollwert verändert, können sich an anderer Stelle Laufzeiten verlängern. Wird ein Zeitprogramm angepasst, bleibt eine davon abhängige Anlage möglicherweise unverändert aktiv.
Gebäudeautomation ist deshalb keine Aufgabe, die mit der Inbetriebnahme endgültig abgeschlossen ist. Sie muss im Betrieb überprüft und weiterentwickelt werden.
Diese Richtung findet sich inzwischen auch im Gebäudeenergiegesetz. § 71a GEG betrifft Nichtwohngebäude mit Heizungs-, kombinierten Raumheizungs- und Lüftungs-, Klima- oder kombinierten Klima- und Lüftungsanlagen von mehr als 290 kW Nennleistung. Gefordert werden unter anderem digitale Überwachungs-, Protokollierungs- und Analysefunktionen für die wesentlichen Energieflüsse sowie die Möglichkeit, Effizienzverluste zu erkennen und den Betrieb anzupassen. Für betroffene Bestandsgebäude galt als Frist der 31. Dezember 2024.
Auch die DIN EN ISO 52120-1 betrachtet Gebäudeautomation nicht nur als Sammlung technischer Komponenten. Sie strukturiert Regelungs-, Automations- und Gebäudemanagementfunktionen danach, welchen Beitrag sie zur Energieeffizienz eines Gebäudes leisten können.
Die bloße Existenz einer GLT beantwortet daher noch nicht die Frage, wie gut ein Gebäude tatsächlich geregelt wird.
Drei Fragen aus der Praxis
Bevor das nächste Dashboard beschafft oder zusätzliche Sensorik bestellt wird, stellen wir in Projekten zunächst drei andere Fragen:
Passen die tatsächlichen Anlagenlaufzeiten zur Nutzung des Gebäudes?
Arbeiten Heizung, Kühlung, Lüftung, Verschattung und Raumregelung nach gemeinsamen Prioritäten?
Und kann das System bei einer erkannten Abweichung selbst sinnvoll eingreifen – oder zeigt es diese lediglich an?
Die Antworten findet man selten in einer Jahresabrechnung. Dafür braucht es zeitlich aufgelöste Betriebsdaten, technisches Verständnis und einen Blick darauf, wie das Gebäude wirklich genutzt wird.
In einem Objekt liegt der größte Hebel vielleicht in einer fehlerhaften Freigabe. In einem anderen sind es starre Zeitprogramme, unpassende Sollwerte oder zwei Systeme, die jeweils nachvollziehbar reagieren, im Zusammenspiel aber gegeneinander arbeiten.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Gerade das macht die Betriebsoptimierung anspruchsvoll.
Was sich mit FIV.Energy im Betrieb verändert
In unseren Projekten beginnt die Arbeit deshalb nicht mit der Frage, welche zusätzliche Oberfläche das Gebäude noch benötigt.
Zuerst schauen wir uns an, welche Systeme bereits vorhanden sind, welche Daten tatsächlich belastbar sind und an welchen Stellen die einzelnen Gewerke nicht zusammenarbeiten. Manchmal ist das Problem schnell erkennbar. Häufig zeigt es sich erst, wenn Raumzustände, Anlagenfreigaben, Sollwerte und reale Laufzeiten gemeinsam betrachtet werden.
FIV.Esolution verbindet diese vorhandenen Informationen und Regelungsebenen herstellerunabhängig. Der entscheidende Schritt kommt aber danach: Aus den Daten werden Regeln für den tatsächlichen Betrieb.
Darf in einer Zone noch geheizt werden, während dort bereits eine Kühlanforderung besteht? Muss eine Lüftungsanlage bei geringer Belegung wirklich mit dem hinterlegten Volumenstrom fahren? Welche Anlage hat Vorrang, wenn mehrere Systeme auf denselben Raumzustand reagieren?
Das sind keine Fragen für ein schöneres Dashboard. Es sind Entscheidungen darüber, wie das Gebäude arbeiten soll.
Bestehende Technik kann dabei häufig weitergenutzt werden. Gerade im Bestand ist das relevant, weil eine vollständige Erneuerung der Automationslandschaft weder in jedem Fall wirtschaftlich noch technisch erforderlich ist.
In einem FIV.Energy-Referenzgebäude in Kassel war bereits ein KNX-ABB-System installiert. Die zentralen Gewerke arbeiteten jedoch nicht ausreichend koordiniert. Nach der Umstellung von Automationsklasse C auf B sank der dokumentierte Gasverbrauch von 362.091 kWh auf 156.465 kWh – eine Reduktion von rund 58 Prozent.
Beim Strom ist eine genaue Einordnung wichtig: Erfasst wurde ausschließlich der Allgemeinstrom des Gebäudes. Der Stromverbrauch der Mieter lag nicht vor und ist in den Werten nicht enthalten. Der gemessene Allgemeinstromverbrauch sank von 39.623 kWh auf 36.516 kWh, also um rund 8 Prozent. Diese Zahl beschreibt damit ausdrücklich nicht den gesamten Stromverbrauch des Gebäudes und darf nicht als vollständige Bewertung der elektrischen Einsparwirkung verstanden oder unmittelbar mit der Gasreduktion verglichen werden.
Die Umstellung erfolgte innerhalb von etwa zwei Wochen bei laufendem Gebäudebetrieb.
Diese Werte stammen aus dem konkreten Referenzobjekt und lassen sich nicht pauschal auf andere Gebäude übertragen. Sie zeigen aber, dass der entscheidende Hebel nicht immer in neuer Hardware liegt. Mitunter steckt er in der Frage, ob die vorhandene Technik endlich als ein System arbeitet.
Automatisiert ist nicht gleich optimiert
Ein hoher Energieverbrauch trotz Gebäudeautomation ist kein Widerspruch.
Er ist häufig ein Hinweis darauf, dass die technische Ausstattung zwar vorhanden ist, aber nicht konsequent als Gesamtsystem betrieben wird. Veraltete Einstellungen, getrennte Regelwelten, unplausible Daten und ungeklärte Verantwortlichkeiten können die Wirkung einer grundsätzlich guten Automation deutlich begrenzen.
Wer den Verbrauch senken möchte, sollte daher nicht als Erstes fragen, welche zusätzliche Technik noch fehlt.
Die bessere Ausgangsfrage lautet:
Was macht unser Gebäude heute automatisch – und ist genau das im aktuellen Betrieb überhaupt noch sinnvoll?
Bleibt diese Frage unbeantwortet, bleibt auch die Effizienz Stückwerk.

